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1. Einführung

Ein Großteil der Bevölkerung wünscht sich den Ausbau der WLAN-Netze im öffentlichen Raum. In den meisten Großstädten befinden sich an den gut besuchten Plätzen bereits öffentliche Access-Points, die einen zum Surfen ohne die Belastung des eigenen Datenvolumens einladen. Doch dieser Luxus könnte mit einem anderen (nicht minder) hohen Preis bezahlt werden: dem WLAN-Tracking.

2. Welche Identifikatoren gibt es?

Die Technik selbst existiert schon lange, doch mit wachsender Netzabdeckung lassen sich theoretisch immer präzisere Bewegungsprofile von Anwendern erstellen, sobald sie sich mit den Access-Points verbinden. Und so funktioniert es: ist die WLAN-Schnittstelle des Mobiltelefons aktiviert, werden über das Medium „Luft“ fortwährend Informationen übertragen. Dazu zählt z.B. die zur Identifikation nutzbare eindeutige MAC-Adresse. Hierbei handelt es sich um die Hardware-ID des Multimedia-Geräts (z.B. Smartphone oder Tablet), mit dem sich der Anwender verbindet. Die MAC-Adresse ist eine 12-stellige Kennung (48 Bit) der Form

\(\mathrm{f}\mathrm{f}:\mathrm{f}\mathrm{f}:\mathrm{f}\mathrm{f}:\mathrm{f}\mathrm{f}:\mathrm{f}\mathrm{f}:\mathrm{f}\mathrm{f}\)

Statt Doppelpunkten können auch Bindestriche zur Trennung verwendet werden. Die einzelnen Stellen dieser Adresse sind Hex-Ziffern, d.h. sie entstammen dem Hexadezimalsystem (Zahlensystem zur Basis 16). Gezählt wird in diesem System von 0 bis (einschließlich) f: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, a, b, c, d, e und f. In den ersten 3 Bytes (24 Bits bzw. die ersten 6 Stellen) wird die Herstellerkennung gespeichert. Auf der Website hwaddress.com kann man zu einer gegebenen MAC-Adresse den Hersteller ermitteln. Übrigens: auch auf dem Heim-Router können MAC-Adressen eingesehen werden (die Darstellung variiert von Anbieter zu Anbieter):

mashgsuzdfguszg.png

Trotz der unvollständigen MAC-Adresse können Sie jetzt mit Hilfe von hwaddress herausfinden, von welchem Hersteller dieses Gerät stammt! Neben der MAC-Adresse werden auch die Netzwerknamen aller Access-Points, mit denen Sie sich jemals verbunden haben, in den Äther geschickt.

3. Wie funktioniert das Tracking?

In der Vergangenheit wurde schon oft davon berichtet dass Apple-Nutzer auf Amazon andere (meist höhere) Preise zu sehen bekommen als andere Kunden. Diese dynamische Preisanpassung ist ein Trend, der auch fernab von Amazon zukünftig durch WLAN-Tracking ermöglicht werden kann. Immer häufiger werden wir am Eingang von Supermärkten auf übergroßen Schildern in Caps Lock darauf hingewiesen, dass im Marktbereich kostenloses WLAN nur darauf wartet von uns in Anspruch genommen zu werden. Dahinter steckt natürlich eine Strategie: indem Sie sich im Netzwerk anmelden, kann der von Ihnen produzierte Traffic theoretisch mitgeschnitten und ausgewertet werden. Doch selbst, wenn Sie sich nicht anmelden und nur die WLAN-Schnittstelle Ihres Smartphones aktiviert haben, kann jeder Ihrer Schritte verfolgt werden. Dazu wird die Signalstärke gemessen, für die Sie nicht einmal mit dem Netzwerk verbunden sein müssen. Marktforscher kommen auf diese Weise an folgende Daten:

- Welche Abteilungen besuchen Sie und wie lange halten Sie sich dort auf?

- Wie oft kaufen Sie in dem Supermarkt ein?

Mit sogenannten WLAN-Datenbanken können über Netzwerknamen Standorte ermittelt werden. Wenn sich ein Standort in Ihrem Wohngebiet oder an Ihrem Arbeitsplatz befindet, könnte man bei Vorliegen der entsprechenden Datensätze daraus rekonstruieren, wo Sie wohnen und arbeiten. Eine solche WLAN-Datenbank ist openwifi.su. Unter dem Punkt „Ist das gefährlich?“ können Sie sich eine eigene Meinung bilden.

Wer nun denkt, dass man im Alltag noch nie mit diesen Datenbanken in Berührung gekommen ist, der wird vermutlich erstaunt sein zu lesen, dass bei der Standortbestimmung im Energiesparmodus ebendiese verwendet werden, da in diesem Modus bei der Lokalisierung komplett auf GPS verzichtet wird. Dort wird nur WLAN und Mobilfunk genutzt. Mittlerweile können sogar Bluetooth-Daten in die Berechnung einfließen.

4. Wie kann man sich schützen?

- MAC-Spoofing
Mit der App Mac Spoofer kann man (laut Bewertungen auf Google Play) semi-gut seine MAC-Adresse verschleiern.

- WLAN ausschalten
In einem Artikel auf Golem.de wurde bereits erklärt, dass das Verschleiern der eigenen MAC-Adresse bei WLAN fast nutzlos ist. Zudem sehen wir uns immer noch mit dem Problem der Netzwerknamen konfrontiert. Die einfachste und zugleich effektivste Lösung ist tatsächlich sein WLAN auszuschalten.

5. Wi-Fi Matic

Dass das ständige Ein- und Ausschalten der WLAN-Schnittstelle auf Dauer sehr lästig ist, wird jeder schnell nachvollziehen können. Aus diesem Grund stelle ich an dieser Stelle noch kurz eine App vor, die Ihnen diese Arbeit abnimmt: Wi-Fi Matic prüft, ob Sie sich in der Nähe Ihres WLANs („Home Zone“) befinden. Dies wird dadurch erreicht, dass sich die App die Funkzellen in unmittelbarer Umgebung des Access-Points, mit dem Ihr Gerät gerade verbunden ist, merkt. Sobald der Access-Point-Bereich verlassen wurde, schaltet die App die WLAN-Schnittstelle ab und bei Eintritt in den Bereich wieder ein.


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